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Bitte bleib bei mir – Wenn der Hund alleine bleiben soll

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Zerkratzte Türen und Wände, angeknabberte Sofas, von lautem Bellen und Heulen genervte Nachbarn und ein völlig aufgelöster Hund, hechelnd und mit weit aufgerissenen Augen – Wenn ein solches Szenario bei Ihrer Heimkehr auf Sie wartet, leidet Ihr Hund mit großer Wahrscheinlichkeit an Trennungsangst. Warum ist das ein im Grunde normales Verhalten? Und wie können Sie ihrem Gefährten das Alleine Bleiben erleichtern? Wir geben Ihnen einen kurzen Überblick.

Warum entsteht Trennungsangst?

Hunde haben von ihren wilden Vorfahren, den Wölfen, Instinkte und Fähigkeiten mitbekommen, die wir Menschen uns in vielen Bereichen zu Nutze gemacht haben. Der Jagdtrieb kommt bei der Hüte-Arbeit zum Einsatz, der sensible Geruchssinn rettet Menschen aus Trümmern und mit ihrem Schutztrieb bewachen Hunde Schafherden und Grundstücke. Doch es gibt auch Eigenschaften, die uns manchmal weniger nützlich sind, wie den ausgeprägten Sozialtrieb. Hunde spielen zusammen, fressen zusammen, schlafen zusammen. Wenn sie die Wahl haben, sind sie selten allein.

Wenn ein Welpe seine Familie verlässt, um die Umgebung zu erkunden, wird er mit jedem Ausflug ein klein wenig mutiger und entfernt sich weiter und länger. Ist er zu lange alleine, bekommt er Angst. Er winselt und jault, damit seine Familie ihn schnell wiederfindet. Das ist ganz normaler Trennungsstress und wichtig für sein Überleben. Fehlt einem Hund jedoch der sichere Rückhalt seiner Familie, menschlich oder artverwandt, oder wird sein Verhalten unbeabsichtigt verstärkt, wird aus Trennungsstress bald Trennungsangst.

Manche Hunde sind prädestiniert dafür, ein Trennungsangstproblem zu entwickeln:

  • Hunde, die schon viele Besitzerwechsel erlebt haben (z.B. Tierheimhunde)
  • Hunde, die mit drastischen Veränderungen zurecht kommen müssen (z.B. Umzug oder Todesfall in der Familie)
  • Hunde, die in ihrem gesamten Verhalten eher unsicher sind

Das Problem erst gar nicht entstehen lassen

Egal ob Welpe oder erwachsener Hund, Alleinsein will geübt werden. Noch bevor der Ernstfall eintritt, muss ein Hund lernen, dass Alleinsein kein Drama ist. Er sollte seinen Besitzer zu Hause nicht auf Schritt und Tritt folgen, sondern in Ruhe auf seinem Platz oder in einem Raum bleiben können. Das Training geschieht praktisch ständig und in sehr kurzen Einheiten. So schließen Sie beispielsweise die Tür hinter sich wenn Sie einen Raum verlassen, um sie 30 Sekunden später wieder zu öffnen. Nach mehreren Wiederholungen wird der Hund verstanden haben, dass Sie gleich wieder kommen und nicht in Panik geraten. Dann können Sie die Dauer Ihrer Abwesenheit allmählich erhöhen.

Folgende Situationen können Sie vorbeugend trainieren:

  • Autofahrten und kurz alleine im Auto warten
  • Nachts schlafen ohne Körperkontakt
  • Aufenthalt in einem Zimmerkennel
  • Kurze Allein-Sein-Phasen (Müll rausbringen, Post holen, aufs Klo gehen usw.)

Wichtig ist die Kürze der Übungen. Der Hund soll nur so lange alleine sein, wie er es schafft, ohne Stress zu empfinden. So wird er immer selbstbewusster und lernt seinen Menschen zu vertrauen.

Was, wenn die Angst schon besteht?

Selbst die beste Sozialisierung kann die Entstehung von Trennungsangst nicht immer verhindern. Oft sind die Auslöser Faktoren, auf die Sie keinen Einfluss haben (z.B. längere Erkrankungen oder ein traumatisches Erlebnis). Dann sind gutes Management und Geduld erforderlich.

Was gilt es zu beachten?

  • Keine Strafe – Diese steigert die ungesund enge Bindung.
  • Alleinsein vermeiden – Betreuungspersonen organisieren.
  • Möglichst routinierter Tagesablauf – Das gibt Sicherheit.
  • Artgerechte Beschäftigung – Macht den Hund selbstsicher und beseitigt Langeweile.
  • Keine großen Zeremonien – Ihr Kommen und Gehen soll etwas völlig normales für den Hund werden.
  • Ausgewogene Ernährung – Nährstoffmangel kann zu Hyperaktivität, Impulsivität, uvm. führen.

Die oben genannten Übungen sind für den ängstlichen Hund ebenso sinnvoll wie als Vorbeugung. Zusätzlich sollte mit den Aufbruchssignalen (Schuhe anziehen, Schlüssel einstecken usw.) trainiert werden, weil diese die Angst oft schon vor dem Alleinsein auslösen. Besetzen Sie sie ab jetzt positiv.

In manchen Fällen ist es sinnvoll, begleitend Medikamente zu verabreichen – sprechen Sie dazu mit Ihrem Veterinär. Auch Nahrungsergänzungsmittel auf Tryptophan-oder grüner Tee-Basis und andere Therapieformen können helfen, Stress zu mindern. Ein weiteres Hilfsmittel ist Musik. Sie kann eine beruhigende Wirkung entfalten, während Ihrer Abwesenheit. Es ist allerdings darauf zu achten, dass sie nicht zu einem weiteren Aufbruchssignal wird. Gleiches gilt für Spielzeug und Kauartikel.

Die genannten Hinweise sollen lediglich einen Überblick verschaffen. Trennungsangsttraining ist sehr individuell und sollte immer auf den jeweiligen Hund zugeschnitten sein. Es lohnt sich daher eine/n verhaltensmedizinisch ausgebildete/n Tierarzt/ärztin oder erfahrene/n Hundetrainer/in zu Rate zu ziehen.

Über längere Zeit alleine zu sein ist für Hunde naturgemäß ungewöhnlich, im Zusammenleben mit Menschen aber notwendig. Wir wünschen Ihnen daher ein erfolgreiches und vor allem entspanntes Training!

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