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Wenn das Haustier stirbt: Wie Besitzer den Schmerz verarbeiten

Haustiere jeder Art nehmen im Laufe der Zeit einen ganz besonderen Platz im Leben ihrer Besitzer ein. Dass ihre Lebenserwartung oft deutlich unter der eines Menschen liegt, lässt Abschiede auf den Plan treten. Dabei ist es ganz egal, ob der geliebte Hase, der treue Hund oder auch die verschmuste Katze versterben: Eine Lücke hinterlässt jedes Tier. So ist es für jeden Besitzer eine der schmerzhaftesten Erfahrungen, ihren geliebten Vierbeiner gehen zu lassen. Wie Tierliebhaber mit dem Schmerz umgehen und warum es einen guten Abschied braucht.

Abschied nehmen ist wichtig

Oft bereicherte das eigene Haustier das Leben seines Besitzers über viele Jahre hinweg. Die gemeinsame Zeit, die mit dem Tod des Tieres endet, sorgt für schmerzhafte Erinnerungen und macht den Abschied umso schwerer. Was Tierhaltern beim plötzlichen Tod ihres Vierbeiners verwehrt bleibt, sollten sich Herrchen und Frauchen kranker oder alter Tiere nicht nehmen lassen. Die Phase des Abschiednehmens ist für Mensch und Tier eine ganz besondere Herausforderung, denn schon hier beginnt die Trauerarbeit.

Ist das Haustier krank oder alt und gibt es kaum eine Hoffnung auf einen Aufschub des Unvermeidlichen, darf der Abschied getrost zelebriert werden. Manche Halter möchten die letzten Tage oder Stunden gemeinsam mit ihrem Tier erleben und dabei die Dankbarkeit für die vergangenen Jahre nicht zu kurz kommen lassen. Lange Kuschelstunden, ein besonderes Festmahl für das Tier und auch Gespräche mit dem Vierbeiner helfen dabei, sich mit dem bevorstehenden Abschied zu versöhnen. Wie intensiv diese Zeit erlebt und ausgelebt werden kann, bestimmt selbstverständlich die individuelle Situation. Es gibt jedoch nur sehr wenige Fälle, in denen ein konkretes Abschiednehmen nicht möglich ist.

Kommt es dennoch zum plötzlichen Tod des geliebten Tieres und hatten Herrchen und Frauchen keine Chance, die letzten Stunden intensiv zu erleben, so erfolgt der Abschied nach dem Versterben. Wacht das Tier nach einer Operation nicht mehr auf oder verstirbt es plötzlich in seiner gewohnten Umgebung, so können sich seine Besitzer auch hier noch Zeit nehmen. Dies zu tun, kann besonders wichtig sein, denn hierdurch wird auch unterbewusst deutlich, was der Mensch noch gar nicht fassen kann. Daher gibt es kaum einen Tierarzt, der seinen Patienten und ihren Herrchen nicht ausreichend Zeit zum Verabschieden einräumt.

Dennoch gibt es Menschen, die ihr Heimtier nach dessen Tod nicht mehr sehen möchten. Auch dieser Wunsch ist legitim, denn manch ein Besitzer möchte seine Erinnerung an Hund oder Katze in ihrer schönsten Form erhalten. Wer spürt, dass der Anblick des verstorbenen Haustieres nicht zu verkraften wäre, sollte daher besser Abstand hiervon nehmen. Sonst nämlich kann sich die anschließende Bewältigung der Trauer verlängern.

Die Bewältigung der Trauer

Unmittelbar nach dem Tod des geliebten Vierbeiners sind die meisten Besitzer untröstlich. Der Schmerz über den Verlust ihres langjährigen Begleiters sitzt tief und sorgt bei vielen Menschen sogar für einen Schock. Der wohl größte Fehler, der bei der Trauerarbeit nach dem Verlust eines Haustieres gemacht werden kann, ist die Verdrängung des Geschehenen. Immer noch ist es vielen Haltern unangenehm oder gar peinlich, um ihr Heimtier zu trauern, da das Verständnis der Gesellschaft ein so intensives Gefühl in Bezug auf Haustiere nicht vorzusehen scheint. Aussagen wie: „Es war doch nur ein Tier!“, oder „Stell dich nicht so an!“, erschweren den Umgang mit der Trauer.

Daher ist es vollkommen normal und sogar richtig, wenn sich die Besitzer des verstorbenen Tieres zunächst zurückziehen und mit ihrem Schmerz alleine sein möchten. Nur wirklich verständnisvolle Freunde, die diese Phase nicht wegdiskutieren möchten, können jetzt wahre Helfer sein. Auf die erste Zeit der Isolation folgt in aller Regel eine gewisse Wut. Wut auf die Krankheit des Tieres, auf den Autofahrer, der die Katze nicht gesehen hat oder auch Wut auf sich selbst bestimmen dann den Alltag vieler Menschen. Erneut handelt es sich hierbei um eine ganz normale Phase der Trauerbewältigung, die akzeptiert und durchlebt werden muss. Nach einer Weile macht die Wut Platz für intensive Gedanken und tiefe Traurigkeit. Jetzt wird der Verlust zum ersten Mal als endgültig erlebt und kommt auch im Unterbewusstsein an. Erst hiernach ist es möglich, den Tod als Bestandteil des gemeinsamen Lebens zu akzeptieren und sich mit dem Verlust zu versöhnen.

Wer sich den eigenen Schmerz zugesteht und die Phasen der Trauer durchläuft, kann hierbei hilfreiche Möglichkeiten nutzen. Insbesondere dann, wenn die Traurigkeit wieder Raum für schöne Erinnerungen freigibt, können diese in den Alltag integriert werden. Dann hilft es den Besitzern, Bilder aufzustellen oder auch eine Kerze für ihr verstorbenes Tier anzuzünden. Auch das Spazieren auf der gemeinsamen Lieblingsrunde oder das Verpacken der Spielzeuge können Rituale sein, die das Loslassen fördern. Niemals jedoch – und das ist für trauernde Besitzer besonders wichtig – ist die Bewältigung des Schmerzes mit dem Vergessen gleichzusetzen.

Nach dem Tod gleich ein neues Tier?

Wie bereits deutlich wurde, braucht es für das Überwinden der Trauer einige Zeit. Hier durchlaufen Herrchen und Frauchen Phasen wechselhafter Gefühle. Der Glaube, dass die entstandene Lücke gleich nach dem Tod des geliebten Tieres durch ein neues Tier geschlossen werden kann, ist dabei grundsätzlich falsch. Dann nämlich kann es passieren, dass der neue Hund mit dem kürzlich verstorbenen Vierbeiner verglichen wird und diesem Vergleich zunächst nicht standhalten kann. Das ist ganz normal, denn die Bindung zu einem neuen Tier ist in der Anfangsphase lange nicht so intensiv wie nach vielen gemeinsamen Jahren.

Daher kann die Anschaffung eines neuen Begleiters kurz nach dem Tod für Probleme sorgen. Auch wenn der Wunsch nach einer möglichst schnellen Verarbeitung verständlich ist, wird dieser Prozess auch durch die Anwesenheit eines neuen Vierbeiners nicht beschleunigt. Besser ist es daher, zunächst in aller Ruhe Abschied zu nehmen und eine versöhnliche Haltung einzunehmen, durch die die schmerzhafte Trauer sich langsam in liebevolle Dankbarkeit wandelt. Erst dann sind Herz und Verstand wirklich bereit einem nachfolgenden Tier Raum zu geben.

Wie lange die Trauerbewältigung dauert, kann ganz unterschiedlich sein. Mancher Heimtierbesitzer ist schon nach einigen Monaten wieder bereit für einen Neustart, während wiederum andere mehrere Jahre brauchen. Diese Zeit sollten sich Tierliebhaber unbedingt nehmen. So macht der Start mit einem neuen Tier mehr Freude und das Vergleichen und schmerzhafte Erinnern erschwert den Aufbau einer frischen Bindung nicht.

 

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