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Herbstzeit – Igelzeit

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Herbstzeit ist Igelzeit: Igel gefunden – und nun?

Zwar sind Igel Winterschläfer, doch vor allem im Herbst bekommen wir sie häufig noch einmal zu Gesicht. Sie tapsen bevorzugt in der Dämmerung und nachts über Terrassen oder werden beim Laubharken entdeckt. Oft herrscht dann Unsicherheit, ob es dem stacheligen Besucher gut geht oder ob er doch einen Tierarzt benötigt. Deshalb wollen wir in diesem Blogbeitrag darauf eingehen, wie der Gesundheitszustand eines Igels abgeschätzt werden kann und wie wir Menschen Igeln etwas Gutes tun können – und was wir vermeiden sollten.

Keine gute Idee: Igel im Haus überwintern

Wer einen Igel findet, glaubt oftmals, ihm etwas Gutes zu tun, wenn er ihn mit ins warme Haus nimmt und den Winter über füttert. Eine Überwinterung im Haus ist jedoch nur in sehr seltenen Ausnahmefällen wirklich erforderlich. Was gut gemeint ist, kann mehr schaden als nutzen. Vor allem bei der Auswilderung im Frühjahr haben Igel, die ins Haus geholt wurden, starke Anpassungsschwierigkeiten.

Wer auf einen quietschfidelen Igel stößt, braucht sich in der Regel keine Sorgen machen. Ein „vorsorgliches“ Auflesen des Igels wäre nur unnötiger Stress für das stachelige Tier. Igel sind keine Haustiere und kommen gut in der freien Wildbahn zurecht. Da Igel zu den Wildtieren zählen, verbietet das Bundesnaturschutzgesetz sogar ausdrücklich, Igel ohne Grund zu fangen und damit ihrem natürlichen Lebensraum zu entreißen. Trotzdem können wir Menschen Igel in der Natur etwas unterstützen, indem wir unsere Gärten igelgerecht gestalten und darauf achten, ob sie gesundheitliche Auffälligkeiten zeigen.

Kranke und hilfsbedürftige Igel erkennen

Vor allem auf dem Land hat vermutlich jeder schon einmal einen Igel gefunden. Unterwegs sind sie zwar meistens in der Nacht, der Herbst ist jedoch eine Ausnahme. Um sich noch einmal ordentlich Winterspeck anzufressen, sind Igel in dieser Zeit auch tagsüber unterwegs auf Nahrungssuche. Dasselbe gilt für säugende Igelmütter, die einen erhöhten Nahrungsbedarf haben. Larven, Würmer, Spinnen und andere Insekten schmecken ihnen besonders gut. Etwa ab November beginnen Igel dann ihren Winterschlaf. Tiere, die nach Wintereinbruch bzw. bei Bodenfrost noch unterwegs sind, gelten als hilfsbedürftig. Es sind entweder kranke und alte, geschwächte Tiere oder aber Jungtiere, die sich nicht genug Winterspeck anfressen konnten.

Für gewöhnlich wandert ein Igel aufgeweckt und zügig umher. Sollte er schwanken oder apathisch wirken, kann es sein, dass er krank ist. Dass Igel sich einrollen, sobald Gefahr im Verzug ist, ist hingegen vollkommen normal! Das kann schon passieren, wenn der Igel Schritte auf sich zukommend bemerkt.

Junge Igel, die noch geschlossene Augen haben und tagsüber außerhalb ihres Nestes unterwegs sind, gelten ebenfalls als hilfsbedürftig. Am besten beobachten Sie die Situation: Findet das Junge nicht zügig zurück, sollten Sie handeln. Abgemagerte Tiere erkennen Sie an herausstehenden Hüftknochen und einer gut sichtbaren Einbuchtung hinter dem Kopf. Ein erwachsener Igel sollte etwa 1000 Gramm auf die Waage bringen. Jungigel sollten mindestens 500 bis 600 Gramm wiegen. Auch können Igel mit Parasiten befallen sein, was eine Behandlung erfordert. Igel, die verletzt vorgefunden werden, zum Beispiel am Straßenrand oder in Gruben, gelten natürlich auch als hilfsbedürftig und dürfen aufgelesen werden.

Erste Hilfe für kranke Igel

Sollte das Tier gesundheitlich angeschlagen wirken oder man ist sich unsicher bezüglich des Zustandes des Igels, sollte man immer einen Tierarzt oder eine Tierauffang-Station aufsuchen. Hier kann der Igel untersucht und überlegt werden, welche Hilfe er benötigt. Einen unterkühlten Igel erkennt man daran, dass der Bauch deutlich kühler ist als unsere Hände. Der Igel kann dann auf eine lauwarme Wärmflasche, eingewickelt in ein Handtuch, gesetzt werden. Die Temperatur sollte aber wirklich nur lauwarm sein! Heiße Körnerkissen, glühende Wärmelampen oder gar Bäder sind tabu.

Für den Transport eignen sich einfache Pappkartons oder Wäscheschüsseln ohne scharfe Kanten. Diese sollten aber mindestens 40-50 cm hoch sein. Flachere Wände überwinden Igel im Nu. Der Igel sollte auch immer genug Sauerstoffzufuhr haben. Damit er es halbwegs bequem hat, können Kartons, Körbe und Co. mit viel Laub, Stroh oder Gras ausgelegt werden. Milchschälchen, wie sie oft angeboten werden, können dem Igel schlecht bekommen. Eine Schale Wasser, ungewürztes Rührei und einige Happen Hunde- oder Katzenfutter hingegen sind in Ordnung. Vor dauerhaftem Zufüttern sollte jedoch immer Rücksprache mit einem Tierarzt gehalten werden.

Was macht einen igelfreundlichen Garten aus?

Wer einen Garten hat, tut Igeln einen großen Gefallen, wenn er für Nistplätze und Unterschlupf für den Winter sorgt. Dafür reicht es schon, den Garten bzw. einzelne Bereiche davon naturnah zu belassen. Laub, Reisighaufen und flaches, dichtes Buschwerk sind ideal. Wer handwerklich geschickt ist, kann zur Überwinterung auch Igelquartiere bauen. Diese sollten aber mindestens 2 m² groß sein.

Kellerschächte und Gruben ohne Abdeckung und kleinmaschige Zäune hingegen können für Igel gefährlich werden. Dasselbe gilt für den Einsatz von Chemie im Garten, beispielsweise zur Schädlingsbekämpfung.

Wer weiß, dass sich ein Igelnest in seinem Garten befindet, sollte sich so ruhig wie möglich verhalten. Rasenmähen oder laute Laubbläser stören die Igel. Bei der Gartenarbeit ist Vorsicht angesagt. Laubhaufen sollten sorgsam abgetragen werden, statt grob mit einer Harke darin umherzufahren – ein Igel könnte verletzt werden.